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Projekt - Wien 2

Besuch einer Burgtheater-Aufführung:  Arthur Schnitzlers “Reigen”


Inhalt:

1. Organisation

2. Informationen über Arthur Schnitzlers "Reigen"

3. Inhaltliche Vorbereitung des Theatersbesuchs

4. Vorschläge für die Umsetzung mit einer Schulklasse

5. Literatur

6. Materialien zum Download


1. Organisation

Das Programm des Burgtheaters ist der Internetseite http://www.burgtheater.at zu entnehmen. Generell beginnt der Kartenvorverkauf jeweils am 20. des Vormonats. Es ist jedoch möglich und auch ratsam, die Karten für eine größere Gruppe telefonisch schon früher zu buchen.

Kontakt: 

Tel: 0043/ 51444-4140
Fax: 0043/ 51444-4143, 
E-Mail: info@burgtheater.at

Zu beachten ist dabei, dass der aktuelle Spielplan unter Umständen erst 6 Wochen vor der Aufführung angekündigt wird. Die Bezahlung der reservierten Karten muss spätestens drei Tage vor der Aufführung erfolgt sein (Kreditkarte oder Überweisung), die Karten werden an der Abendkasse abgeholt. (Bei der Kartenwahl gilt es zu beachten, dass es im Sommer in den obersten Rängen des Burgtheaters u.U. unangenehm heiß und stickig werden kann. Deshalb sind diese Plätze trotz der etwas niedrigeren Preise nicht immer zu empfehlen.)

Das Burgtheater ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Von der Haltestelle Rathaus der U-Bahn-Linie 2 sind es noch drei Gehminuten über den Rathausplatz.

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2. Informationen über Arthur Schnitzlers "Reigen"

Der Reigen erzählt von Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, die aufeinander treffen, und ihrer körperlichen Befriedigung nachgehen. Das Stück thematisiert somit den sittlichen Verfall und die Doppelmoral der Gesellschaft. In dem streng durchkomponierten Stück treten in insgesamt zehn Akten zehn Figuren auf. Keiner der Charaktere ist ehrlich, denn jeder hat vor dem andern Partner seine zweite Szene zu verbergen. Zehn Mal wiederholt sich somit die routinierte Schwindelei. Es ist ein Spiel aus Werbung und Befriedigung aber auch bitterer Ernüchterung. Die Personen sind keine Typen, aber ihr Verhalten ist typisch für den Stand oder die Stellung, in der sie sich befinden. Die Dialoge der Figuren untereinander sind bloße Verständigungen. Sie sprechen miteinander ohne wirklich zu kommunizieren. Umso mehr schwingen Begierde und Koketterie mit. Je höher der gesellschaftliche Stand, desto komplizierter werden die Dialoge und desto länger dauert es, bis es zum eigentlichen Geschlechtsakt kommt. Den Geschlechtsakt - das Unaussprechliche - umschreibt Schnitzler mit Sprache. Auf explizite Darstellungen verzichtet er.

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3. Inhaltliche Vorbereitung des Theaterbesuchs

Neben der Einstimmung auf das Stück selbst, war es uns wichtig, auch die besondere Entstehungs- und Wirkungsgeschichte sowie den für Wien überaus bedeutsamen Autor Arthur Schnitzler zu beleuchten.

Mit Hilfe von zwei Collagen (siehe 6. Materialien zum Download) zu Autor und Werk stimmten wir die Teilnehmer auf den Theaterbesuch ein. Eine Auswahl ausdrucksstarker Äußerungen von Zeitgenossen über den Autor wie auch Tagebucheinträge von Schnitzler selbst ermöglichten einen ersten Zugang zu seiner Person. Um Interesse für das Werk zu wecken, zeigt die zweite Collage anhand von Zeitdokumenten, welchen Skandal das Stück auslöste, ganz wie es Schnitzler antizipiert hatte. Da die Aufführung direkt am Abend des Anreisetags stattfand, verteilten wir bereits auf der Zugfahrt die Collagen. Jeder Teilnehmer erhielt nur eine der beiden Collagen, mit dem Auftrag diese durchzulesen und sich drei besonders interessante Informationen herauszusuchen. Darüber tauschte er sich im Anschluss mit einem Partner, der das gleiche Blatt bearbeitet hat, aus. Schließlich sollten sich Partner mit verschiedenen Arbeitsblättern finden und sich gegenseitig über die jeweils drei einprägsamsten Inhalte informieren.

Abends, eine Stunde vor Aufführungsbeginn, versammelten wir uns im Park vor dem Theater, um dort Textauszüge aus dem Reigen (siehe Materialanhang) durch szenisches Lesen zu interpretieren. Das Personenregister des Reigens umfasst zehn Figuren, so dass wir zwei Gruppen zu je zehn Leuten bilden konnten. Die strenge Komposition des Dramas bot es an, diese Struktur bereits in der Aufstellung sichtbar zu machen: Schnitzlers Reigen besteht aus zehn Akten, in der je eine Frau und ein Mann aufeinander treffen. Dabei wird folgendes Schema eingehalten Figur A spielt mit B, B mit C, C mit D usw. Am Ende schließt sich der Kreis: Die Dirne, die das Stück mit dem Soldaten eröffnet hat, beschließt es am Ende mit dem Grafen.

Wir stellten die Teilnehmer dieser Struktur entsprechend im Kreis auf, wobei sich nach Möglichkeit Männer und Frauen abwechselten und verteilten die Rollen. Jeder sollte zunächst mit seinem linken Partner, dann mit seinem rechten die jeweilige Szene vorbereitend durchlesen und sich auf die Rolle einstimmen. Dann folgte eine kleine “Aufführung.” Dies erlaubte eine erste Konfrontation mit konkreten Textstellen, sowie mit Charakteren und brisanten Situationen, was eine gespannte Erwartungshaltung aufbaute.

Als Beobachtungsauftrag für die Aufführung erhielten die Teilnehmer zwei Aufgaben: Erstens sollte auf die Darstellung der eigenen Figur beachtet werden, auch in Bezug auf ihre Funktion als Vertreter einer sozialen Schicht. Zweitens sollte beobachtet werden, ob und wie diese Figur sich in ihren beiden Szenen verändert. Während der Aufführung kam es so für den Zuschauer zu Wiedererkennungseffekten und/oder zu überraschenden Auslegungen des Regisseurs. 

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4. Vorschläge für die Umsetzung mit einer Schulklasse

Insgesamt erwies sich unser Vorgehen als lohnenswerte Einstimmung auf ein Stück und seinen Autor. Allerdings ist zu beachten, dass bei einer Umsetzung mit Schülern mehr Vorlaufzeit eingeplant werden muss. So könnte die Arbeit mit den Collagen bereits in der Schule vorweggenommen werden. Dann wäre auch eine gemeinsame Auswertung der Partnerarbeit im Plenum möglich und sicherlich gewinnbringend. Ansonsten ist zu beachten, dass aufgrund der inhaltlichen Komplexität unserer Collagen und der Menge der Textauszüge für Schüler eine sinnvolle Auswahl getroffen werden müsste. 
Das szenische Spiel stieß bei den Teilnehmern auf positive Resonanz. Rein organisatorisch ist zu beachten, dass es dem szenischen Interpretieren dienlich ist, wenn jeder Schüler sein eigenes Textblatt hat, damit frei gestikuliert werden kann. Zusätzlich wäre zu überlegen, die Textstellen etwas zu verkürzen.

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5. Literatur

  • Schnitzler, Arthur: Reigen. Reclam: Ditzingen 2005.
  • Karthaus, Ulrich (Hrsg.): Die deutsche Literatur in Text und Darstellung. Impressionismus, Symbolismus und Jugendstil. Reclam: Ditzingen 2004.
  • Koebner, Thomas: Erläuterungen und Dokumente. Arthur Schnitzler, Reigen. Reclam: Ditzingen 1997.
  • Scheible, Hartmut: Schnitzler. Rowohlt Taschenbuch: Reinbek bei Hamburg 2003.

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6. Materialien zum Download

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