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Projekt - Wien 2

Wien als UNO-Standort


Inhalt:

1. Hintergrundinformationen

2. Ein Quiz als schülergerechter Einstieg

3. Organisation, Durchführung und praktische Tipps

4. Literatur und Links

5. Materialien zum Download


1. Hintergrundinformationen

Das Ziel der bei Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 gegründeten Vereinten Nationen ist die Wahrung des Friedens und der internationalen Sicherheit. New York und Genf waren zunächst Hauptstützpunkte des sich entwickelnden UN-Apparats. Nach dem Staatsvertrag 1955 und der damit verbundenen Neutralität Österreichs im beginnenden Kalten Krieg wurde die österreichische Hauptstadt Wien zu einer immer wichtigeren Kongressstadt im internationalen politischen System. Insbesondere durch die Mitinitiative des damaligen österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky wuchs Wien immer mehr in die Rolle eines Tagungsorts zur Vermittlung zwischen Ost und West sowie Nord und Süd hinein und wurde Standort zahlreicher UN- und anderer internationaler Organisationen. Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts und dem EU-Beitritt Österreichs 1994 hat der neutrale Status Wiens jedoch an Gewicht verloren, die Stadt bleibt jedoch weiterhin neben New York und Genf der dritte Amtssitz der Vereinten Nationen.

Das Vienna International Center, das auch unter der Bezeichnung „UNO-City“ bekannt ist, wurde 1979 eingeweiht. Die dort errichteten Bürotürme werden vom österreichischen Staat für einen symbolischen Pachtzins an die Vereinten Nationen vermietet. Die internationalen Organisationen in Wien beschäftigen 4500 Beamte, zu denen weitere 2000 akkreditierte Mitarbeiter bei Botschaften und internationalen Behörden hinzugezählt werden müssen.

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2. Ein Quiz als schülergerechter Einstieg

Methodisch-didaktischer Kommentar:

Um Schülern die Möglichkeit anzubieten, an ihr Vorwissen anzuknüpfen und sie auf „spielerische“ Weise an ein für Schüler auf den ersten Blick eher trocken erscheinendes Thema heranzuführen, wird als Einstieg in das Thema „Die Vereinten Nationen in Wien“ ein Quiz gewählt. Ein Quiz erscheint aus verschiedenen Gründen gut geeignet. Der Zugang zu den Vereinten Nationen ist nur im Rahmen einer geleiteten Führung möglich. Infolgedessen muss sich die begleitende didaktische Beschäftigung daran orientieren. In Absprache mit dem Personal, das die Führung durchführen wird, liefert das Quiz eine inhaltliche Strukturierung des Themas, die Teilnehmer können rasch überblicken, was wichtige Punkte der Führung durch die UN-Institutionen sind. Die Auswertung des Quiz’ liefert so einen angemessenen Abschluss der Führung. Ein Quiz weckt darüber hinaus Neugier und Motivation, sich weiter mit dem Thema zu beschäftigen - gerade auch wenn man eine Frage nicht beantworten kann und knüpft an Vorwissen von Schülern an. Die Grundlagen eines komplexen und eher nüchtern angegangenen Themas können so den Schülern auf eine interessante und „spielerische“ Art vermittelt werden, auch weil man die anschließende Besprechung des Quiz gut als zusätzliche Informationsphase nutzen kann.

Zu Inhalt und Konzeption der Quiz-Fragen:

Zu Frage 1: Die Vereinten Nationen sind mit 192 Mitgliedsstaaten (Stand: 2006) die gegenwärtig größte politische Organisation weltweit. Nahezu alle Staaten der Erde gehören der UNO an. Der Anspruch der Vereinten Nationen auf universale Gültigkeit ihrer Ziele, Normen und Grundsätze ist damit zumindest theoretisch verwirklicht. Selbst der Vatikanstaat, der formal kein UNO-Mitglied ist, engagiert sich in vielfältiger Weise als Nicht-Mitglied.

Zu Frage 2: Die Konzeption der Frage nimmt nur auf die drei in der Auflistung genannten Amtssitze der UNO Bezug. Im Verlauf der geleiteten Führung werden die Schüler noch mit Nairobi als einem weiteren Amtssitz bekannt gemacht werden. Es ist daher zu erwarten, dass Schüler bei der Auswertung des Quiz an dieser Stelle auf Nairobi hinweisen werden. Zum einen kann so die Aufmerksamkeit der Schüler geprüft, zum anderen auf die besondere Art der Fragestellung, die nur nach drei der genannten Städte fragt, hingewiesen werden.

Zu Frage 3: Das Hauptziel der Vereinten Nationen ist die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit, was die Existenz dieser Weltorganisation letztlich alleine rechtfertigt. Alle anderen Ziele dienen letztlich diesem Hauptzweck. Die Auslegung des Friedensbegriffs hat seit 1945 einen Wandel durchlaufen: In einer engen Auffassung von Frieden würde sich das Spektrum auf die Verhinderung von Krieg und Gewaltanwendung im internationalen Bereich beschränken. Doch verdeutlicht bereits der umfassende Zielkatalog des Artikels 1 eine bereitere Auffassung von einem positiven Frieden, der auch Menschenwürde und Menschenrechte sowie die Schaffung sozialer Gerechtigkeit umfasst. Dies lässt sich an den der Vielfalt spezifischer Programme und Aktionen ablesen, die um die Beseitigung struktureller Ursachen von Krieg und Gewalt bemüht sind. Hierin sieht die UNO in zunehmendem Maß ihre zukünftigen Aufgaben.

Zu Frage 4: Nach dem Scheitern des von seinen Mitgliedern kaum respektierten Völkerbundes, der den Zweiten Weltkrieg nicht hatte verhindern können, fassten 1941 der britische Premierminister Winston Churchill und US-Präsident Franklin D. Roosevelt in der Atlantik-Charta den Plan einer neuen, handlungsfähigen Organisation zur Sicherung des Friedens in einer neuen Weltordnung. Die Sowjetunion und China wurden in den Kreis der hauptverantwortlichen Mächte einbezogen und so einigte man sich im Sommer 1944 auf einen Statutenentwurf. Die Charta der Vereinten Nationen wurde im Juni 1945 in San Fransisco von 51 Staaten als Gründungsmitglieder unterzeichnet und trat am 24. Oktober 1945 in Kraft.

Zu Frage 5: Von den in Wien ansässigen internationalen Organisationen und Programmen wird im Quiz nur eine kleine Auswahl erwähnt. Die UNESCO hat ihren Sitz in Paris, das WFP in Rom, der ICC in Den Haag und die ILO in Genf. So kann geschickt auf die breite Streuung der Standorte von UN-Organisationen in Europa hingewiesen werden. Die OSZE sowie die OPEC sind zwar keine UN-Organisationen, sollen aber gleichwohl als in Wien ansässige Institutionen erwähnt werden.

Zu Frage 6: Die letzte Frage nimmt direkten Bezug auf das Veranstaltungszentrum „UNO-City“, das die Republik Österreich 1979 gebaut und für einen symbolischen Pachtzins an die Vereinten Nationen übergeben hat. Ungeachtet der vorangegangenen hohen Baukosten hat sich die „UNO-City“ infolge der vielfältigen logistischen Aufgaben mittlerweile wirtschaftlich für Österreich und die Stadt Wien mehr als ausgezahlt. 

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3. Organisation, Durchführung und praktische Tipps

Das Vormittagsprogramm: Die Vereinten Nationen in Wien:

Die wichtigste Adresse für die Planung eines Besuchs der Vereinten Nationen in Wien ist der Besucherdienst ( http://www.unis.unvienna.org ). Über dessen informative Internetseite gelangt man leicht an eine E-Mail Kontaktadresse. Die Kommunikation über das Internet ist dabei schnell und problemlos. Die Anfahrt zu den Vereinten Nationen ist unkompliziert (U1 in Richtung Kargan). Die United Nations Schilder der Haltestelle „Kaisermühlen / Vienna International Center“ führen direkt zum Besuchereingang. Hier wird ein zweigeteiltes Programm angeboten. Zum einen eine Führung, zum anderen ein Vortrag zur Arbeit der Internationalen Atomenergiebehörde. Die Führung durch das Gebäude und in die Sitzungssäle steht auch Einzelpersonen oder Kleingruppen ohne Anmeldung offen, während ein Vortrag ab einer Gruppengröße von 20 Personen nur nach Anmeldung angeboten wird. (Näheres unter: http://www.unis.unvienna.org/unis/de/visitors_service.html) Für den bilingualen Gemeinschaftskundeunterricht bzw. für den Englischunterreicht scheinen hier besonders interessant, dass die Führungen auch auf englisch angeboten werden.  In unserem Fall haben wir ca. 3 Monate im Voraus angefragt. Einen Termin während unseres Wienbesuchs zu bekommen war gut möglich. Dabei konnten wir auch den Tag angeben, an dem dieser stattfinden sollte. Die Uhr- bzw. Tageszeit des Besuches ist jedoch weitgehend vom Besucherdienst abhängig. Organisatorisch sollte außerdem bedacht werden, dass aufgrund erhöhter Sicherheitsbestimmungen eine Namensliste der Gruppenteilnehmer bzw. Kontaktdaten einer organisierenden Person nötig sind, d.h. Telefonnummer, Adresse, E-Mail usw.. Zudem benötigen alle Teilnehmer einen gültigen Personalausweis. Diese Daten werden beim Besuch abgeglichen und dienen zur Identifikation der einzelnen Personen. Die Themen der Führung und des Vortrages kann der Besucher kaum beeinflussen. Hier gibt es ein durchaus interessantes und die Arbeit der UN in Wien abdeckendes Standardprogramm. Wir hatten zuvor an unsere Gruppe ein Quiz ausgegeben, um den Besuch didaktisch vor- und aufzubereiten. Dieses Quiz haben wir unserem Guide direkt vor der Führung gegeben. Er ist gerne und sehr geduldig in seinem Vortrag auf die einzelnen Punkte eingegangen. Ebenso war sein Repertoire groß genug, um Grundlegendes aber auch Details über die Arbeit der UN bzw. IAEO zu berichten. Auch wurde die Gruppe immer wieder durch Fragen des Guide in die Führung einbezogen und so konnten sich interessante und informative Gespräche entwickeln. Dieser Abschnitt war ein (Tages)Highlight unseres Wienbesuches.  Nach der Besichtigung des Gebäudes waren wir, wie bereits angedeutet, zu einem halbstündigen Vortrag (in englischer Sprache!), begleitet von einer Video-Einführung, in die Räume des Besucherdienstes geführt worden. Wie sich herausstellte ist die Güte eines solchen jedoch stark abhängig von der Tagesform bzw. von den Fähigkeiten der vortragenden Person und den Englischkenntnissen der Gruppe. Da man bei der ständigen Vertretung der BRD auch die Möglichkeit hat, sich mit einem Experten zu unterhalten und dies in deutscher Sprache, empfiehlt es sich, dieses Angebot zu nutzen und auf den Vortrag bei den Vereinten Nationen zu verzichten.

Vorschlag für die Mittagspause:

Sofern man mit einer Schülergruppe die Mittagspause aus Zeitgründen in unmittelbarer Nähe der UNO-City verbringen möchte, bietet sich bei schönem Wetter und in den Sommermonaten ein Aufenthalt auf der Lagerwiese am Kaiserwasser, auf der südöstlichen Seite der Wagramer Straße an. Vom Haupteingang der Vereinten Nationen sind es nur 10 Minuten Fußmarsch zu dem Freizeitgelände. Für die Einnahme von Speisen und Getränken ist die Vereinsgaststätte des SV Donau neben dem dortigen Sportplatz sehr zu empfehlen. Alternativ dazu befinden sich auch am Donaukanal zahlreichen Möglichkeiten sich zu verköstigen.

 

Das Nachmittagsprogramm: Die deutsche Ständige Vertretung bei dem Büro der Vereinten Nationen und bei den anderen internationalen Organisationen in Wien:

Wie der Name schon verrät, deckt die Arbeit dieser Art einer deutschen Botschaft nicht nur die Vertretung bei der IAEA, sondern etwa auch bei der Raumfahrtorganisation OOSA oder der OPEC ab. Das Gebäude der Vertretung liegt gegenüber des Gebäudekomplexes der Vereinten Nationen, in der Wagramer Straße 14. Vom Eingang des Besucherdienstes aus gesehen, liegt es auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Ein Weg von mindestes 10 Minuten ist mit einer Gruppe einzukalkulieren. Die Kommunikation mit der Vertretung und Organisation eines Besuches mit Vortrag und Fragerunde ist per E-Mail leicht möglich und problemlos. Kontaktdaten und detaillierte Informationen finden sich auf der Homepage der Vertretung. Auch hier wird eine Namensliste der Teilnehmer mit den Kontaktdaten eines Ansprechpartners verlangt. Die Anfrage unsererseits wurde ebenso etwa 3 Monate zuvor gestellt. Was den Zeitpunkt des Besuches anbelangt, war die deutsche Vertretung entgegenkommend und richtete sich nach unserem Termin bei den Vereinten Nationen.  Da die Homepage hinsichtlich eines Besuchs nur wenig verrät, da wohl bei einer solch kleinen Vertretung kein ausgewiesenes Besucherprogramm besteht, waren wir nicht vollständig sicher darüber, was uns erwarten würde. Angekündigt war ein Vortrag über die Arbeit der ständigen Vertretung mit anschließender Diskussion im Zeitrahmen von etwa einer Stunde. Nach dem Eintritt durch die Sicherheitstüren war der Empfang in der Vertretung formal und dabei sehr freundlich. Sobald die Gruppe vollständig eingetroffen war, wurden wir in einen kleinen Vorraum geführt, in dem uns Kaffee und Tee angeboten wurden. Darauf wurden wir recht schnell in einen Sitzungssaal gelotst, der mit Mikrofonen, dem Bild des Bundespräsidenten und Flaggen ausgestattet war. Dies rief eine erwartungsvolle Atmosphäre bei den Teilnehmern der Gruppe hervor, die nicht enttäuscht werden sollte. Kurz nachdem wir saßen, betrat der Botschafter Peter Gottwald selbst den Raum und stellte sich nach einer kurzen Einführung den Fragen der Anwesenden. Damit hatten wir nicht gerechnet. Leider hatte dieser nicht die ganze Stunde Zeit, was uns aber auf der anderen Seite die Gelegenheit gab, mit einem weiteren Mitarbeiter der Vertretung zu sprechen, der ein Experte für internationale Atomfragen war. Nach etwa einer Stunde wurden wir mit etwas Informationsmaterial und vielen interessanten Impulsen und Informationen zur Stadtführung entlassen. Der Besuch in der Ständigen Vertretung kristallisierte sich damit, neben der Führung bei den Vereinten Nationen, als Höhepunkt des Programms unserer UN-Gruppe heraus. 

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4. Literatur

  • Gareis, Sven; Varwick, Johannes. Die Vereinten Nationen. Opladen 2003.
  • Wolf, Klaus Dieter: Die UNO. Geschichte, Aufgaben, Perspektiven. München 2005.
  • Zollmann, Günter: Wien. UNO-Standort und Europa-Metropole, S. 41-43, in: Deutschland & Europa, hrsg. v. Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg, Nr. 39/1999

Internet-Links:

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5. Materialien zum Download

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